Höhlenstadt

Alt-Chndsoresk: Die Höhlenstadt, die bis 1958 bewohnt war

bei Goris, SyunikKein einzelnes Denkmal, sondern eine ganze Stadt: In die Tuffwände bei Goris ist ein Labyrinth aus Höhlenwohnungen gegraben, das bis vor wenigen Jahrzehnten bewohnt war — und das du heute frei durchwandern kannst.

Blick von der 700 Meter langen Hängebrücke über die Schlucht von Chndsoresk
Reiseziele

Die Hängebrücke schwingt bei jedem Schritt, 160 Meter lang über einer wilden Schlucht. In ihren Felswänden lebten über Jahrhunderte Menschen in Natur- und Felshöhlen — das Dach des einen war der Hof des nächsten. Khndzoresk war die Hochburg des Nationalhelden Mkhitar Sparapet; erst 1958 holten die Sowjets die letzten Bewohner herunter. Du gehst durch leere Höhlen, und nur der Wind antwortet.

Chndsoresk besteht aus zwei Orten gleichen Namens: dem lebenden Dorf oben auf der Hochebene und der verlassenen Höhlensiedlung unten in der Schlucht, die man heute Alt-Chndsoresk nennt. Von der Kante aus wirkt die Schlucht wie ein zerklüfteter Amphitheatersaal — überall dunkle Öffnungen im hellen Tuff, dazwischen Reste von Mauern, Treppen und Pfaden. Ein Netz aus Wegen zieht sich die Hänge hinab und quert den Talgrund. Was von oben wie eine natürliche Felslandschaft aussieht, entpuppt sich beim Abstieg als bebauter Raum: Kammer reiht sich an Kammer, jede einmal Wohnung, Werkstatt oder Stall. Der Weg hinunter ist der eigentliche Zugang zu dieser versunkenen Stadt.

Offroad & Anfahrt

Schotter2/5

Hierher leistet der Geländewagen nicht die Arbeit — die liegt im Abstieg. Wir bringen dich an den Rand der Schlucht; von dort führen steile Treppen hinab und über die Hängebrücke, die unter jedem Schritt spürbar schwingt. Wer Höhenangst hat, spürt das. Kein Fahr-Abenteuer, sondern der ruhige, geschichtsschwere Kontrast zwischen den harten Etappen der Route.

Beste Saison
April–November
Höhe
1.580 m
Nächster Ort
Goris
Originalname
Հին Խնձորեսկ

Lage und Anfahrt nach Alt-Chndsoresk

Alt-Chndsoresk liegt am Rand einer tief eingeschnittenen Tuffschlucht bei Goris, im Süden der Provinz Syunik, auf rund 1.580 Metern. In die weichen Felswände sind über Jahrhunderte Hunderte Wohnräume, Ställe und Vorratskammern getrieben worden — eine Siedlung, die sich über mehrere Etagen die Hänge hinaufzog. Um 1913 lebten hier rund 8.300 Menschen, mit Geschäften, Werkstätten, mehreren Kirchen und Schulen; bewohnt blieb der Ort bis 1958, ehe die Bewohner ins neu gebaute Dorf oberhalb der Schlucht zogen. Die heutige Hängebrücke, die die beiden Talseiten verbindet, errichteten Einheimische erst 2012 — rund 160 Meter lang und etwa 60 Meter über dem Schluchtgrund. Die Anfahrt endet am oberen Schluchtrand; alles Weitere geschieht zu Fuß.

Geschichte der Höhlensiedlung

Die Höhlen von Chndsoresk sind uralt, doch ihre größte Zeit hatte die Siedlung im 17. und 18. Jahrhundert, als sie zu einem der bevölkerungsreichsten Orte der Region wuchs. In diese Epoche fällt auch ihre Rolle im armenischen Befreiungskampf: Chndsoresk war ein Rückhalt der Aufstände, die David Bek und seine Gefährten in den 1720er-Jahren gegen die osmanische und persische Vorherrschaft führten. Einer dieser Gefährten war Mchitar Sparapet, ein militärischer Anführer — „Sparapet“ ist der altarmenische Titel des Heerführers. Er kam 1730 hier zu Tode; sein Grab liegt bis heute in der Schlucht, unweit der Kirche Surb Hripsime, die zwischen den Höhlen steht. Nach dem Aufstand blieb der Ort bewohnt, bis die Sowjetmacht die Menschen 1958 endgültig ins neue Dorf oberhalb umsiedelte.

Legende & Mythos

Zwei Überlieferungen ranken sich um den Ort — eine um seinen Namen, eine um seinen Helden. Der Name Chndsoresk wird volkstümlich von „khor dzor“ hergeleitet, „tiefe Schlucht“; andere führen ihn auf „khndzor“ zurück, das armenische Wort für Apfel, nach den Obstgärten, die einst in der Schlucht standen. Gesichert ist keine der beiden Deutungen. Düsterer ist die Überlieferung um Mchitar Sparapet: Nicht der Feind habe den Heerführer 1730 getötet, sondern die eigenen Leute. Aus Furcht, die Osmanen könnten das ganze Dorf strafen, sollten sie den Gesuchten hier versteckt finden, sollen ihn Dorfbewohner selbst erschlagen haben. Erzählt wird beides als Sage, nicht als belegte Geschichte — doch dass sein Grab bis heute gepflegt in der Schlucht liegt, zeigt, wie sehr ihn die Nachwelt schließlich ehrte.

Warum hierher

Chndsoresk erschließt sich als Abfolge. Erst der Abstieg und die Brücke: Sie spannt weit über den Talgrund und gibt dir mit einem Mal die ganze Tiefe der Schlucht frei, links und rechts die durchlöcherten Wände. Dann die Höhlen selbst — du gehst hinein, wo andere gewohnt haben: Ruß an den Decken, ausgetretene Schwellen, Nischen für Lampen, Kammer hinter Kammer, ganze Straßenzüge aus Fels. Und zuletzt, wenn du weit genug hineingegangen bist, die Stille: keine Absperrung, kein Ticketstand, nur du und eine Stadt, die ihre Menschen verloren hat. Auf unseren Routen ist Chndsoresk der menschliche Halt zwischen den wilden Etappen — der Ort, an dem die Legenden, die wir unterwegs erzählen, plötzlich Wände und Türen bekommen.

Praktische Hinweise für deinen Besuch

Bis zum Parkplatz oberhalb der Schlucht ist die Zufahrt ab Goris befestigt, Offroad-Faktor 2 — der Geländewagen leistet hier wenig, die eigentliche Arbeit liegt im Abstieg. Von der Kante führen steile Treppen und Pfade hinab und über die Hängebrücke auf die andere Seite; fester Schuh und etwas Trittsicherheit sind sinnvoll, und wer nicht schwindelfrei ist, merkt das auf der Brücke. Die beste Zeit reicht von April bis November; im Winter machen Schnee und Eis die Stufen heikel. Plane genug Zeit ein — die Siedlung ist weitläufig, und der Rückweg führt wieder bergauf.

Quellen
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Willst du Alt-Chndsoresk selbst erkunden? Armenia Expeditions bringt dich ab Goris an den Rand der Schlucht und über die Hängebrücke hinab zu den Höhlenwohnungen. Eine Nachricht — den Rest planen wir.

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