Bgheno-Noravank: Eine versteckte Reliefkirche im Wald von Syunik
Syunik — Tief im Wald südlich von Goris steht eine kleine Kirche, deren Fassaden über und über mit Flechtband, Granatapfelranken und biblischen Reliefs überzogen sind. Jahrhundertelang war Bgheno-Noravank verfallen und vergessen, bis ein Agronom die Ruine in den 1920er Jahren wiederentdeckte. Heute erreichst du sie über eine grobe Waldpiste, abseits jeder Besucherroute.
Der Name bedeutet einfach neues Kloster – verwechsle ihn nicht mit dem berühmten Noravank bei Areni, das denselben Namen trägt. Schon 963 stand hier ein erster Steinbau, bevor Fürst Grigor I. Ashotian 1062 die heutige Kirche errichten ließ. Kunsthistoriker reihen ihren Reliefschmuck gleich hinter die Kreuzkirche von Achtamar ein – ein Rang, den die Abgeschiedenheit im Wald fast vergessen lässt.
Bgheno-Noravank liegt auf einer schmalen, von bewaldeten Schluchten umgebenen Anhöhe in der Provinz Syunik, rund drei Kilometer östlich des Dorfes Bardzravan und etwa sechs Kilometer südöstlich von Shinuhayr. Die Höhe beträgt 1.282 Meter. Es handelt sich um eine einzige, kleine Saalkirche aus hellem Stein, eingebettet zwischen Eichen und dichtem Unterholz. Von außen wirkt der Bau zurückhaltend, doch die Wände tragen einen der reichsten Reliefschmücke des armenischen Mittelalters. Der nächste größere Ort ist Goris.
Offroad & Anfahrt
Grobpiste3/5
Die Anfahrt führt über Bardzravan. Ab dem Dorf geht es rund drei Kilometer über eine grobe Waldpiste auf die bewaldete Anhöhe hinauf. Der Untergrund ist von Schlaglöchern durchsetzt, dazu kommt eine spürbare Steigung; bei Regen wird die Strecke rutschig und lehmig. Ein 4x4 ist empfohlen, eine Untersetzung brauchst du bei trockenem Wetter nicht zwingend, sie schadet aber nicht. Die kurze Distanz täuscht über die Fahrzeit hinweg: Plane für die letzten Kilometer eher in Schritttempo. Das entspricht Offroad-Faktor 3 auf der Skala von 5: eine grobe Hochlandpiste mit Schlaglöchern, fahrbar, aber kein Asphaltkomfort.
- Beste Saison
- Mai–Oktober
- Höhe
- 1.282 m
- Nächster Ort
- Goris
- Originalname
- Բղենո-Նորավանք
Lage und Überblick
Typ: Kloster (Kultur), Region Syunik. Koordinaten: 39.388155 N, 46.360081 O. Höhe: 1.282 m. Die heutige Kirche wurde 1062 errichtet, an der Stelle eines älteren Steinbaus, der auf das Jahr 963 zurückgeht; die Überlieferung verbindet den Neubau mit Fürst Grigor I. Ashotian von Syunik. Die Ruine wurde in den 1920er Jahren vom Schriftsteller und Agronomen Axel Bakunts wiederentdeckt. Nächste Stadt: Goris. Beste Reisezeit: Mai bis Oktober. Offroad-Faktor: 3 von 5.
Geschichte der Kirche
An dieser Stelle stand bereits 963 eine Steinkirche. Den erhaltenen Bau ließ 1062 Fürst Grigor I. Ashotian von Syunik errichten. Die Reliefs an den Fassaden – Flechtbänder, Granatapfelranken und Szenen aus dem Leben Christi – zählen zum Bedeutendsten ihrer Epoche; in der Forschung wird der bildhauerische Rang oft direkt hinter der Kreuzkirche von Achtamar eingeordnet. In den folgenden Jahrhunderten verfiel das abgelegene Kloster und geriet in Vergessenheit. Erst in den 1920er Jahren stieß der Schriftsteller Axel Bakunts, der als Agronom durch die Region zog, auf die überwachsene Ruine und machte sie wieder bekannt. Die Lage in den Wäldern von Syunik gab dem Ort über die Zeit auch strategische Bedeutung; die Region war Schauplatz der Selbstverteidigung Syuniks in den Jahren 1919 bis 1921.
Legende & Mythos
Der Name Noravank bedeutet im Armenischen „neues Kloster“, ein im Mittelalter häufig vergebener Name für Klostergründungen, der hier durch den Zusatz Bgheno vom bekannteren Noravank bei Areni unterschieden wird. Eine eigenständige, breit überlieferte Legende zu diesem Ort ist nicht belegt. Was sich erhalten hat, ist die Erinnerung an die Wiederentdeckung: Der Überlieferung nach soll Axel Bakunts die vom Wald überwucherte Kirche durch Zufall auf einer seiner Wanderungen gefunden haben, als der reiche Reliefschmuck unter Moos und Gestrüpp kaum noch zu erkennen war.
Warum sich der Besuch lohnt
Bgheno-Noravank lohnt sich für alle, die armenische Steinmetzkunst jenseits der bekannten Klöster sehen wollen. Der Reliefschmuck ist außergewöhnlich dicht und detailliert, und die abgeschiedene Lage auf der Waldanhöhe sorgt dafür, dass du den Ort meist für dich allein hast. Die kurze, aber raue Piste ab Bardzravan hält den Zustrom gering – wer hier ankommt, hat sich bewusst dafür entschieden. Das Zusammenspiel aus früher Bauzeit, hoher Bildhauerqualität und der Geschichte einer vergessenen und wiederentdeckten Kirche macht den Besuch konkret interessant, nicht nur landschaftlich.
Praktische Hinweise
Beste Reisezeit: Mai bis Oktober, wenn die Waldpiste trocken und befahrbar ist. Außerhalb dieser Monate kann Regen oder Schnee die letzten drei Kilometer stark erschweren. Ausgangspunkt für die Anfahrt ist Bardzravan; von dort folgt die Piste in Richtung der Anhöhe. Ein Fahrzeug mit Allradantrieb und etwas Bodenfreiheit ist empfehlenswert. Festes Schuhwerk ist sinnvoll, da das Gelände rund um die Kirche uneben und teils bewachsen ist. Sanitäranlagen oder Verpflegung gibt es vor Ort nicht; nimm Wasser mit. Der nächste größere Ort mit Übernachtung und Versorgung ist Goris.
Impressionen
Lage
Bereit, selbst hierher zu fahren?
Willst du Bgheno-Noravank über die Waldpiste ab Bardzravan ansteuern und die Reliefkirche in Ruhe erkunden? Armenia Expeditions bringt dich mit dem passenden 4x4 zuverlässig auf die Anhöhe und plant den Besuch nach Saison und Pistenzustand. Eine Nachricht — den Rest planen wir.