Ughtasar-Petroglyphen: Tausende bronzezeitliche Gravuren im Vulkankrater auf 3.300 m
Syunik — Im Kraterkessel des erloschenen Vulkans Ughtasar liegen rund um einen glazialen Bergsee Tausende gravierte Basaltblöcke – erreichbar nur in wenigen Sommerwochen und nur per Geländewagen.

Zwei von drei figürlichen Motiven zeigen Steinböcke mit überdimensionierten Hörnern – gedeutet als Jagdglück oder Schutzzauber, nie eindeutig entschlüsselt. Der Name schwankt zwischen Kamelberg und Pilgerberg, und in der dünnen Luft auf 3.300 Metern spürst du selbst, warum jeder Schritt um den See Kraft kostet. Manche Zeichen sollen sogar von den Vishap erzählen, den Wassergeistern der Region.
Der Ughtasar liegt im Tsghuk-Massiv in der südarmenischen Region Syunik, rund 17 Kilometer vom Dorf Ishkhanasar entfernt. Auf etwa 3.300 Metern öffnet sich der Kraterkessel (Caldera) des erloschenen Vulkans, der etwa 1,5 mal 1 Kilometer misst. In seiner Mulde liegt ein glazialer Bergsee, am Südrand von einem natürlichen Wall aus Felsblöcken gestaut. Um die Mulde verteilen sich Hunderte bis Tausende Basaltblöcke, die einst als Lava ausgeschleudert und später von Menschenhand bearbeitet wurden.
Offroad & Anfahrt
Extrem5/5
Ab dem Dorf Ishkhanasar führt eine rund 17 Kilometer lange Hochlandpiste zur Caldera; auf dieser Strecke werden etwa 1.400 Höhenmeter überwunden, bis auf ca. 3.300 m. Die Piste verläuft über loses Geröll, Felsstufen und Schmelzwasser-Furten; auf den höheren Abschnitten liegen oft bis in den Sommer Schneeflecken. Erforderlich ist ein leistungsfähiger Geländewagen mit Allrad und Untersetzung. Plane mehrere Stunden für die Anfahrt ein. Die Höhe wirkt sich aus: Schritt für Schritt langsamer gehen, da die Luft auf 3.300 m spürbar dünner ist.
- Beste Saison
- Juli–August
- Höhe
- 3.300 m
- Nächster Ort
- Sisian
- Originalname
- Ուղտասարի ժայռապատկերներ
Ughtasar auf einen Blick
Region: Syunik. Nächste Stadt: Sisian. Nächstes Dorf: Ishkhanasar. Lage: Caldera des Vulkans Ughtasar (Tsghuk-Massiv, Teil der Tsghuk-Karckar-Gruppe im zentralen vulkanischen Höhenzug von Syunik), glazialer Bergsee. Höhe: ca. 3.300 m. Koordinaten: 39,684° N / 46,05° O. Typ: Petroglyphen. Umfang: Quellen nennen je nach Zählweise von knapp tausend bis über 2.000 gravierten Basaltblöcken. Datierung: v.a. Chalkolithikum (4. Jt. v. Chr.), Bronzezeit (3.–2. Jt. v. Chr.), frühe Eisenzeit; Einordnung über Motive und Oberflächenfunde (Obsidian, Keramik). Motive: Steinböcke/Mufflons (rund zwei Drittel der figürlichen Darstellungen), Hirsche, Raubtiere, Jagd- und Tanzszenen, Wagen, Spiralen, konzentrische Kreise, Sonnensymbole. Beste Saison: Mitte Juli bis Mitte/Ende September, Schwerpunkt Juli–August. Offroad-Faktor: 5 von 5.
Geschichte und Archäologie
Eines der bedeutenderen Felskunst-Ensembles Armeniens. Die Basaltblöcke wurden bei Eruptionen des Tsghuk als Lava ausgeschleudert; ihre Oberflächen sind später durch Picken (Herausschlagen einzelner Punkte) bearbeitet worden. Die Bilder sind nicht direkt datierbar – ein verlässliches naturwissenschaftliches Verfahren zur direkten Datierung von Petroglyphen existiert bislang nicht. Die Einordnung stützt sich daher auf Motivchronologie und Oberflächenfunde. Karakhanian und Safian schlugen 1970 für die Felsbilder der Region eine Spanne vom 5. bis 2. Jahrtausend v. Chr. vor; die bisherigen Befunde des laufenden Projekts decken sich weitgehend damit. Wagenmotive setzen frühestens nach dem Aufkommen des Radfahrzeugs im frühen 3. Jahrtausend v. Chr. an, während Szenen mit Joch-Rindern und Pflug eher älter (4.–3. Jt. v. Chr.) sein könnten. Schwerpunkt sind Chalkolithikum und Bronzezeit mit Ausläufern in die frühe Eisenzeit; die Nutzung erfolgte vermutlich durch Hirtengruppen im Bergsommer. Erforscht wurde der Ort breiter ab dem frühen 20. Jahrhundert und intensiver seit den 1960er Jahren. Das Ughtasar Rock Art Project dokumentiert die Petroglyphen seit 2009 systematisch in ihrem Landschaftskontext; daran arbeiten Fachleute aus Armenien, Großbritannien, Japan und den USA zusammen. Vollständig entschlüsselt ist das Ensemble nicht.
Legenden, Namen und Mythos
Der Name lässt sich nach der Überlieferung in zwei Lesarten deuten: 'Ught' (Kamel) -> 'Kamelberg' oder 'ukht' (Pilgerschaft) -> 'Pilgerberg'. Die Gravuren werden gedeutet, nicht gelesen. Steinböcke mit übergroßen Hörnern stellen rund zwei Drittel der figürlichen Motive und werden vielfach mit Jagd, Fruchtbarkeit oder Schutzvorstellungen in Verbindung gebracht. Spiralen, konzentrische Kreise und strahlenförmige Zeichen werden als Sonnen- oder Himmelssymbole gedeutet, vereinzelt auch als mögliche Kalender- oder Sternbild-Hinweise. Der Überlieferung nach besteht zudem ein Bezug zu den Vishap – Wasser- und Quellgeistern, die in Syunik als monumentale 'Drachensteine' (Vishapakar) vorkommen. Keine dieser Deutungen ist belegt; sie bleiben Interpretation.
Warum dieses Ziel besonders ist
Tausende Gravuren aus Chalkolithikum und Bronzezeit auf 3.300 m, in einer Caldera von rund 1,5 mal 1 Kilometer. Das Saisonfenster umfasst nur wenige Wochen, da der Ort den Großteil des Jahres schneebedeckt ist; der Zugang führt ausschließlich über eine anspruchsvolle Hochlandpiste mit etwa 1.400 Höhenmetern Anstieg. Die Basaltblöcke liegen an einem stillen Gletschersee ohne jede Infrastruktur.
Praktische Infos: Saison, Fahrzeug, Ausrüstung
Realistisch befahrbar ist der Ort von Mitte Juli bis Mitte/Ende September, am verlässlichsten im Juli und August; davor und danach blockiert Schnee die Piste. Ab Ishkhanasar sind es rund 17 Kilometer Hochlandpiste mit etwa 1.400 Höhenmetern Anstieg. Ein leistungsfähiger Geländewagen mit Allrad und Untersetzung ist nötig; eine Fahrt allein ohne zweites Fahrzeug ist nicht ratsam. Plane für die Höhe Akklimatisierung ein und bewege dich oben ruhig. Das Wetter auf 3.300 m schlägt rasch um: Nimm warme, wind- und wasserdichte Kleidung, festes Schuhwerk, UV-Schutz sowie ausreichend Wasser und Verpflegung mit. Fahre nur mit erfahrener, ortskundiger Führung und prüfe Zugänglichkeit und Sicherheit vorab. Die Gravuren bitte nicht berühren oder nachzeichnen.
Impressionen
Lage
In 4 Expeditionen enthalten
Syunik Wildnis-Expedition
Die Legenden-Route
Süd-Expedition kompakt
Bereit, selbst hierher zu fahren?
Willst du die Ughtasar-Petroglyphen besuchen? Armenia Expeditions organisiert die Anfahrt über die Hochlandpiste mit geeignetem Geländewagen und ortskundiger Führung, abgestimmt auf das kurze Saisonfenster im Juli und August. Eine Nachricht — den Rest planen wir.



