Berg

Mount Hatis – Erloschener Vulkankegel über dem Kotayk-Plateau

KotaykDer Hatis ragt als symmetrischer Kegelberg 2528 Meter über das Kotayk-Plateau — ein erloschener Vulkan mit Obsidianvorkommen, Bronzezeithütte und einem Namen, der bis in die alturartu-assyrischen Überlieferungen reicht.

Mount Hatis Kegelgipfel von der Almzone aus gesehen
Reiseziele

Eine Silbermünze mit dem Porträt Alexanders lag zwischen den Basaltmauern der Gipfelburg, bis dort 2023 die ersten systematischen Ausgrabungen begannen. Zwischen den tief eingeschnittenen Rinnen seiner Flanken breiten sich alpine Wiesen aus, und oben angekommen blickst du bei klarem Wetter bis zur Araratebene. Am Südhang entspringen die Karasunakn-Quellen, aus denen Jerewan 1912 seine erste Wasserleitung baute. Du stehst auf einem Berg, der einst Trinkwasser für eine ganze Hauptstadt lieferte.

Rund 27 Kilometer östlich von Jerewan erhebt sich der Hatis (Հատիս) als freistehendes Kegelvolumen über das offene Hochland von Kotayk. Die Flanken fallen in tiefen Rinnen ab, dazwischen breiten sich alpine Wiesen aus. Am Gipfel sitzt, kaum erkennbar aus der Ferne, die Ruine einer Basaltfestung. Der Berg ist Teil des Gegham-Gebirges, eines ausgedehnten quartären Vulkanfeldes, das sich zwischen Araratebene und Sevanog-Becken zieht. Hatis selbst bildete sich vor rund 700.000 Jahren; seine Obsidian-Lagerstätten entstanden etwa 480.000 Jahre vor heute. Das vulkanische Gestein — Paläogene Laven, Perlite und Rhyolith-Obsidian-Einschlüsse — macht ihn geologisch einzigartig im Kotayk-Raum.

Offroad & Anfahrt

Gelände4/5

Ab Kaputan oder Kotayk führen Schotter- und Erdpisten in die Almzone am Fuß des Kegels. Die Pisten sind unverfalzt, teilweise ausgewaschen, mit losen Gesteinspassagen — für geübte 4x4-Fahrzeuge mit Untersetzung. Der obere Abschnitt des Kegels ist nicht befahrbar: ab der Almzone beginnt steiles Geröll und Felsstufen, die ausschließlich zu Fuß bewältigt werden. Offroad-Faktor 4 von 5. Zeitansatz Fahrt bis Almzone: je nach Startpunkt 30–60 Minuten ab Asphalt. Fußweg zum Gipfel: ca. 2–3 Stunden (je nach Kondition und Streckenwahl). Ein hochgeländegängiges Fahrzeug mit Stollenreifen und ausreichend Bodenfreiheit (mind. 22 cm) ist Bedingung; Reifendruckregulierung empfohlen. Die Saison ist wetter- und schneeabhängig, praktisch Mai bis Oktober. Im Frühling und Herbst können auch tiefer liegende Pisten durch aufgeweichten Lehm schwer passierbar werden.

Beste Saison
Mai–Oktober
Höhe
2.528 m
Nächster Ort
Nor Geghi
Originalname
Հատիս

Auf einen Blick

Höhe: 2528 m. Region: Kotayk. Nächster Ort: Nor Geghi; Ausgangspunkt für den Aufstieg ist häufig das Dorf Kaputan (ca. 2,5 km nordwestlich) oder das Dorf Kotayk. Routenlänge ab Kotayk: ca. 11 km, Höhendifferenz ca. 1000 m. Gesteinstyp: Paläogene Laven, Perlite, Rhyolith-Obsidian. Obsidianvorkommen: nachgewiesen, prähistorische Bearbeitungsspuren vorhanden; Handelswege reichten bis nach Mesopotamien und in die Ägäis (archäologisch belegt, Distanzen bis 1620 km). Am Südhang: Karasunakn-Quellen (armenisch: „Elsterquellen“), Quelle der ersten Wasserleitung Jerewans — der Aquädukt wurde 1912 gebaut. Schutzstatus: Seit 2008 staatlich ausgewiesenes Naturschutzgebiet Armeniens. Koordinaten: 40.3083 N, 44.7266 E.

Geschichte

Am Gipfelplateau des Hatis stehen die Mauerreste der sogenannten Shamiram-Festung (auch Hatis-Kastell genannt). Die Mauern aus grob behauenen Basaltblöcken weisen eine Breite von 2 bis 4,5 Metern und eine erhaltene Höhe von 1 bis 3 Metern auf; im Osten hat sich ein rund 3 Meter breiter Eingang mit beidseitigen Mauervorlagen erhalten. Eine armenisch-italienische Archäologengruppe unter Leitung von Artur Petrosyan und Roberto Dan begann 2023 systematische Ausgrabungen auf der Gipfelfläche. Die bisher geborgenen Funde — Obsidianpfeilspitzen der Bronzezeit, eine Eisenlanze, Bronze- und Eisenschmuck, ein Zylindersiegel (vermutlich 5. Jh. v. Chr.) und eine Silbermünze mit Alexanderporträt — belegen eine Nutzung vom Frühen Bronzezeitalter über die Antike bis in die Mittelalterliche Periode. Die Obsidianvorkommen am Hatis wurden bereits in der Vorgeschichte großräumig abgebaut und in den weiträumigen Fernhandel eingespeist; archäologische Quellen weisen armenisches Vulkanglas aus dem Kotayk-Raum bis nach Troja und ins südliche Iran nach.

Legende: Semiramis und die assyrisch-armenische Überlieferung

Der Überlieferung nach trägt der Hatis seinen zweiten Namen — Shamiram oder Shamirama — von der assyrischen Königin Semiramis (armenisch: Շամիրամ). In der armenischen Mythologie, wie sie Moses von Choren im 5. Jahrhundert aufzeichnete, ließ der armenische König Ara der Schöne seine Truppen am Fuß des gegenüberliegenden Ara-Berges aufstellen; Königin Semiramis bezog mit ihren assyrischen Heeren auf den Höhen des Hatis Stellung, um das Schlachtfeld zu überblicken. Ara fiel im Kampf, obwohl Semiramis Befehl gegeben haben soll, ihn lebend zu fangen. Die Verbindung des Namens „Hatis“ mit dem phrygischen Gott Attis — Gottheit des Sterbens und der Wiedergeburt — wird von Forschern als Parallele zur armenischen Ara-Mythologie gedeutet: Ara verkörpert denselben Typus des sterbenden und auferstehenden Vegetationsgottes. Ob der Gipfelburg tatsächlich ein kultischer Zusammenhang mit diesen Überlieferungen zukommt, ist archaeologisch nicht belegt.

Warum hierher

Der Hatis ist einer der wenigen armenischen Vulkankegel, an dem drei Schichten gleichzeitig greifbar sind: eine vorgeschichtliche Rohstoffwirtschaft (Obsidian), ein mehrphasiges Festungsareal (Bronzezeit bis Mittelalter) und ein geologisch eigener Untergrund aus Perliten und Rhyolith. Die Aussicht vom Gipfel reicht bei klarem Wetter bis zur Araratebene. Am Südhang liegen die Karasunakn-Quellen — historisch der erste Wasserversorgungs-Ursprung Jerewans, 1912 per Aquädukt erschlossen. Das sind keine Kulissen, sondern nachweisbare Verbindungen zwischen Landschaft und Stadtgeschichte. Die Kombination aus anspruchsvoller Anfahrt, Fußaufstieg über Geröll und dem konzentrierten archäologischen Befund auf engstem Raum macht den Hatis zu einem Ziel mit substanziellem Eigengewicht.

Praktische Informationen

Beste Reisezeit: Mai bis Oktober; im Frühjahr (Mai) liegt am Gipfel möglicherweise noch Schnee. Ausgangspunkt: Dorf Kaputan (ca. 2,5 km nordwestlich des Gipfels) oder Dorf Kotayk (Routenlänge ca. 11 km, 1000 Hm). Fahrzeug: 4x4 mit Untersetzung, mind. 22 cm Bodenfreiheit, Stollenreifen empfohlen; Reifendruckregulierung nützlich. Fußweg ab Almzone: 2–3 Stunden zum Gipfel. Ausrüstung: festes Schuhwerk für Geröll, Wasser (keine Versorgung am Berg), Sonnenschutz (alpine UV-Exposition). Eintritt: kostenlos, keine Voranmeldung erforderlich. Mobilfunk: im Hochland eingeschränkt; Offline-Karte herunterladen (z. B. Maps.me, OSMAnd). Witterung: Wetterumschwünge ab Mittag möglich; früher Start empfohlen.

Quellen
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Lage

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5 Tage
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