Shikahogh State Reserve: Urwald, Furten und der dunkle Canyon von Mtnadzor
Syunik — Im Süden von Syunik liegt ein Urwald, der die postsowjetische Abholzung Armeniens fast unberührt überstanden hat. Zwischen 700 und 2.800 Metern wachsen jahrtausendealte Platanen am Tsav-Fluss, und im Schatten des Mtnadzor-Canyons fällt nur wenige Stunden am Tag Sonne ein. Hierher führen keine asphaltierten Straßen, sondern alte Forstpisten mit Flussfurten.

Der Sage nach trafen sich hier König Ara der Schöne und Königin Schamiram – ein Rendezvous, das armenische Erzähler bis heute weitergeben. Karawanen der Seidenstraße rasteten in diesem Hain, und in den umliegenden Wäldern streift bis heute, selten gesehen, der persische Leopard. Genehmigung und ein ortskundiger Guide sind Pflicht, denn das Reservat zählt zur strengsten Schutzkategorie, kaum erschlossen und selten besucht.
Das Shikahogh State Reserve breitet sich an den Südosthängen des Berges Khustup und den Nordosthängen des Meghri-Gebirges aus, in den oberen Flussbecken von Tsav und Shikahogh. Das Reservat reicht von 700 bis 2.800 Metern Höhe und schützt rund 10.330 Hektar Eichen-, Hainbuchen-, Buchen-, Ulmen- und Platanenwald. Es ist das zweitgrößte Waldreservat Armeniens, abgelegen nahe der iranischen Grenze, und gilt als einer der letzten zusammenhängenden Urwälder im Südkaukasus. Der Ausgangspunkt für die Anfahrt ist die Stadt Kapan; von dort führen Forstwege in das Schutzgebiet hinein. Im Mtnadzor-Canyon, dem "dunklen Tal" beim Dorf Tsav, halten die steilen, von Nord nach Süd verlaufenden Hänge das Sonnenlicht über weite Strecken des Tages aus dem Gorge fern.
Offroad & Anfahrt
Gelände4/5
Offroad-Faktor 4 von 5: anspruchsvoll. Asphalt endet lange vor dem Reservat; die Anfahrt ab Kapan läuft über Waldwege und alte Forstpisten, die steil, lose und stellenweise ausgewaschen sind. Mehrere Abschnitte queren als Furten den Tsav beziehungsweise Shikahogh-Fluss, deren Wasserstand mit der Jahreszeit schwankt. Im Frühjahr sind die Pisten nach Schneeschmelze und Regen morastig, weshalb der Zeitraum Mai bis Oktober deutlich verlässlicher ist. Du brauchst einen geländegängigen 4x4 mit Untersetzung, ausreichend Bodenfreiheit und Erfahrung im Furten und auf losem, steilem Untergrund. Wegen des Schutzstatus und der teils unklaren Wegführung ist ein ortskundiger Guide nötig; das Reservat ist Kategorie Ia, der Zugang nur eingeschränkt und in Begleitung möglich. Rechne mit kurzen Distanzen bei langen Fahrzeiten, da Furten und Steigungen das Tempo bestimmen.
- Beste Saison
- Mai–Oktober
- Höhe
- 1.400 m
- Nächster Ort
- Kapan
- Originalname
- Շիկահողի արգելոց
Lage und Überblick
Lage: Region Syunik, Südarmenien, nahe der iranischen Grenze. Typ: Naturschutzgebiet, subtropisch geprägter Wald. Gegründet 1958 zum Schutz von Reststücken alter Eichen- und Hainbuchenwälder sowie bedrohter Tierarten. Fläche rund 10.330 Hektar, Höhenlage 700 bis 2.800 Meter; der hier angegebene Referenzpunkt liegt bei etwa 1.400 Metern (39.04 N, 46.45 O). IUCN-Kategorie Ia (strenges Naturreservat). Flora: etwa 1.100 Pflanzenarten, davon 70 im Roten Buch Armeniens; der orientalische Platanenhain (Platanus orientalis) am Tsav gilt als einziger natürlicher Platanenwald des Kaukasus. Fauna: Braunbär, Luchs, Wildschwein, Reh, Wolf sowie seltene Arten wie Bezoarziege, Mufflon und gelegentlich der persische Leopard. Nächste Stadt: Kapan. Beste Saison: Mai bis Oktober.
Geschichte des Reservats
Das Reservat wurde am 13. September 1958 eingerichtet, um eines der letzten Stücke ursprünglichen Eichen- und Hainbuchenwaldes im Südkaukasus zu bewahren. Anders als weite Teile der armenischen Wälder blieb Shikahogh von der massiven Abholzung nach dem Zerfall der Sowjetunion weitgehend verschont, was auf die abgelegene Lage und die Rücksicht der umliegenden Dörfer zurückgeführt wird. Der Mtnadzor-Canyon beim Dorf Tsav wurde durch die Prosa des armenischen Schriftstellers Aksel Bakunts literarisch bekannt. 2005 stand das Gebiet im Mittelpunkt eines Streits, als Umweltgruppen sich gegen eine geplante Fernstraße durch das Reservat wandten: Sie hätte das Schutzgebiet zweigeteilt und Wilderern wie Holzfällern Zugang zu bislang geschützten Bereichen verschafft.
Legende und Mythos
Der Überlieferung nach galten die Platanen am Tsav den alten Armeniern als heilig; einzelne Bäume des Hains sollen mehrere tausend Jahre alt sein. Einer alten Legende zufolge trafen sich der armenische König Ara der Schöne (Ara Geghetsik) und die babylonische Königin Schamiram in diesem Platanenhain. Überliefert ist auch, dass der Hain an einem Zweig der Seidenstraße lag und Händlern als Rastplatz zum Ausruhen und zur Erfrischung diente. Der Name Mtnadzor bedeutet "dunkles Tal" und verweist auf das Halbdunkel, das durch die steilen, nach Süden ausgerichteten Hänge fast den ganzen Tag im Gorge herrscht.
Warum hierher
Shikahogh ist eines der wenigen Gebiete Armeniens, in dem ein zusammenhängender Urwald erhalten geblieben ist, und der Platanenhain am Tsav ist der einzige natürliche seiner Art im Kaukasus. Der strenge Schutzstatus und die fehlende Erschließung halten die Besucherzahlen niedrig: Wer das Reservat sehen will, kommt nur mit Guide und nur über Pisten hinein. Die kurze, verlässliche Saison von Mai bis Oktober und die Furten über den Tsav machen die Anfahrt zu einem klar abgegrenzten Vorhaben statt zu einem beiläufigen Stopp. Dazu kommt eine Fauna, die laut Verwaltung selbst noch nicht vollständig erforscht ist, mit seltenen Arten bis hin zum persischen Leopard.
Praktische Hinweise
Anfahrt: ab Kapan über Forstwege und alte Pisten in das Reservat; die letzte Strecke ist nicht asphaltiert und umfasst Flussfurten. Fahrzeug: geländegängiger 4x4 mit Untersetzung und guter Bodenfreiheit. Saison: Mai bis Oktober; im Frühjahr sind die Wege nach Schmelze und Regen morastig, der Wasserstand der Furten schwankt. Zugang: Kategorie-Ia-Reservat, Eintritt nur eingeschränkt und in Begleitung eines ortskundigen Guides. Mitnehmen: feste Schuhe für kurze Fußwege, Wasser, Verpflegung; im Schutzgebiet gibt es keine Versorgung. Bitte auf den Wegen bleiben und nichts entnehmen. Plane wegen Furten und Steigungen mehr Zeit ein, als die reine Distanz vermuten lässt.
Impressionen
Lage
In 1 Expeditionen enthalten
Bereit, selbst hierher zu fahren?
Willst du das Shikahogh State Reserve über seine alten Forstpisten und die Furten des Tsav erreichen? Armenia Expeditions organisiert die geführte 4x4-Anfahrt ab Kapan mit ortskundiger Begleitung und der nötigen Genehmigung für das Schutzgebiet. Eine Nachricht — den Rest planen wir.
