See

Kari See – 3.200 Meter, Asphalt bis ans Ufer

AragatsotnDer Kari See liegt auf 3.200 Metern Höhe am Aragats – dem höchsten Berg Armeniens. Eine alte, durchgehend asphaltierte Bergstraße führt direkt ans Ufer. Kein anderer Punkt in Armenien ist mit einem normalen Pkw so hoch erreichbar.

Kari See mit Blick auf die vier Gipfel des Aragats im Sommer
Reiseziele

Acht, neun Monate im Jahr schläft der Kari See unter Eis; nur im kurzen Sommer wird sein Wasser klar und eisig kalt. Du stehst am Ufer, wo seit 1943 eine Forschungsstation die kosmische Strahlung erforscht — ein Institut, einsam wie sonst nur ein Gletschersee. Ringsum liegen jahrtausendealte Vishap-Steine, die Forscher mit einem frühen Wasserkult in Verbindung bringen. „Kari“ heißt schlicht Stein, und genau so wirkt der Ort: karg, still, tief.

Am Südhang des Aragats, eingebettet zwischen Moränenrücken und vulkanischem Gestein, liegt der Kari See auf 3.200 Metern über dem Meer. Das Wasser ist kalt und klar, bleibt acht bis neun Monate im Jahr unter Eis und gibt den Blick auf die vier Gipfel des Aragats frei, sobald der Sommer die Schneedecke zurückdrängt. Der Name „Kari“ bedeutet im Armenischen schlicht „Stein“ – ein sachlicher Hinweis auf die felsige Hochgebirgslandschaft, in der der See liegt. Mit einem Umfang von 1.150 Metern und einer maximalen Tiefe von acht Metern ist er kompakt, aber in seiner Lage ungewöhnlich: Fast kein anderer Alpinsee der Region ist so einfach zu erreichen.

Offroad & Anfahrt

Asphalt1/5

Offroad-Faktor: 1 von 5 – kein Geländefahrzeug erforderlich. Die Anfahrt ab Byurakan (ca. 22 km, Fahrzeit rund 1 Stunde 20 Minuten) verläuft auf alter, aber durchgehend asphaltierter Bergstraße. Die Fahrbahn ist schmal, kurvenreich und an einzelnen Stellen ausgebrochen, insgesamt jedoch auch mit einem normalen Pkw oder Limousine problemlos befahrbar. Wer aus Richtung Artashavan kommt, trifft nach dem Nationalpark auf einen schlechter erhaltenen Abschnitt, bevor beide Routen oberhalb von Byurakan zusammenführen. Das einzige saisonale Hindernis ist Schnee: Die Straße ist in der Regel von Ende November bis Anfang Mai gesperrt, manchmal auch bis Mitte Mai. Ab Juni ist die Passage zuverlässig offen. Der Kari See ist der höchste mit einem Personenwagen erreichbare Punkt Armeniens.

Beste Saison
Juni–Oktober (Strasse durch Schnee oft erst ab Juni offen)
Höhe
3.200 m
Nächster Ort
Byurakan
Originalname
Քարի լիճ

Lage und Erscheinung

Lage: Aragatsotn, Südhang des Aragats (40°28′N, 44°11′O). Höhe: 3.200 m ü. M. Fläche: ca. 0,12 km². Umfang: 1.150 m. Tiefe: max. 8 m. Wasservolumen: ca. 375.000 m³. Zufluss: überwiegend Niederschlag und Schneeschmelze. Geologie: glaziale Moränensenke am erloschenen Stratovolkan Aragats (Höchstgipfel Nord: 4.090 m). Fauna: 1963 wurde der Gegharkuni-Saibling aus dem Sewansee eingesetzt; natürliche Reproduktion blieb aus, die Tiere wuchsen jedoch schneller als im Sewansee. Am Südufer befindet sich die Kosmische-Strahlen-Forschungsstation, gegründet 1943.

Geschichte: Physik auf 3.200 Metern

Am Südufer des Sees steht seit 1943 eine Forschungsstation für kosmische Strahlung, gegründet von den Brüdern Artem und Abraham Alikhanyan – beide Physiker, die während des Zweiten Weltkriegs mit einer wissenschaftlichen Expedition an den Aragats kamen, um die Protonenkomponente der Kosmischen Strahlung zu untersuchen. In dieser Station entstand das damals größte Magnetspektrometer mit Permanentmagneten in der gesamten UdSSR. Für ihre Forschungsarbeiten erhielten beide den Staatspreis der UdSSR. Die Station ist bis heute in Betrieb und wird von der Armenischen Akademie der Wissenschaften betrieben. Ein weiteres historisches Detail: Im 17. Jahrhundert ließ Katholikos Pilippos I. den Abfluss des Sees verschließen, um die Wasserversorgung umzuleiten. Der ursprüngliche Kanal zum Amberd-Fluss (einem Zufluss des Kasagh) existiert heute nicht mehr. Am Ufer und in der näheren Umgebung des Aragats wurden Vishap-Steine gefunden – prähistorische Steinmonumente aus dem armenischen Hochland, die Forscher mit einem frühen Wasserkult in Verbindung bringen und auf ein Alter von bis zu 6.000 Jahren datieren.

Legende: Der See der Tränen

Der Überlieferung nach waren Ararat und Aragats einst zwei Schwestern, die in Streit darüber gerieten, wer von ihnen größer und schöner sei. Seitdem stehen sie sich getrennt gegenüber – der Ararat in der heutigen Türkei, der Aragats in Armenien. Auf dem Aragats, so die Legende, entstand aus den Tränen der Zwietracht ein See. Ob damit ursprünglich der Kari See gemeint war, lässt sich nicht belegen; die Überlieferung ist regional verbreitet und wird häufig mit dem Bergsee in Verbindung gebracht. Die Vishap-Steine am Aragats stehen nach aktuellem Forschungsstand mit Wasserkulten und Bewässerungsritualen in Zusammenhang – eine belegte archäologische Verbindung zwischen dem Berg, dem Wasser und religiöser Praxis, die weit in die Vorgeschichte zurückreicht.

Warum hierher

Der Kari See liegt auf einer Höhe, die man sonst nur mit Bergausrüstung oder Geländefahrzeug erreicht – hier genügt ein Pkw. Das macht ihn zu einem der wenigen Hochgebirgsziele Armeniens, die ohne alpinistische Vorbereitung zugänglich sind. Gleichzeitig dient er als Ausgangspunkt für die Besteigung des Südgipfels des Aragats (3.879 m), eines der wenigen Viertausender der Region. Die Kombination aus Forschungsstation, Vishap-Steinen, Panoramablick auf alle vier Aragats-Gipfel und der ungewöhnlichen ökologischen Situation (eingesetzter Saibling, glazialer Moränensee auf erloschenen Vulkanhängen) macht den See zu einem Ort, der mehrere Interessen auf einmal bedient – ohne Massentourismus-Infrastruktur.

Praktische Hinweise

Beste Reisezeit: Juni bis Oktober. Straße in der Regel ab Anfang bis Mitte Juni schneefrei. Anfahrt ab Byurakan: ca. 22 km, rund 80 Minuten. Jedes Fahrzeug mit ausreichend Bodenfreiheit und funktionsfähiger Bremsanlage ist geeignet; ein Allradantrieb ist nicht erforderlich. Früh morgens kann die Straße bei Restschnee kurzzeitig gesperrt sein. Eigene Verpflegung und Wasser mitbringen – am See gibt es keine gastronomische Infrastruktur. Warme Kleidung ist auch im Sommer angebracht: Bei Wind und Bewölkung fallen die Temperaturen auf Seehöhe deutlich. Mobilfunkempfang ist oberhalb von Byurakan eingeschränkt. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es in Byurakan oder in der Region Aragatsotn.

Quellen
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Impressionen

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Lage

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Hochlandritt am Aragats

1 Tag
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